Was ist das erste Mal?

Was ist eigentlich gemeint, wenn über das erste Mal gesprochen wird? Viele denken sofort an das erste Mal Vaginalsex bei heterosexuellen Menschen. Vaginalsex bedeutet, dass die Vagina (Scheide) den Penis aufnimmt. Aber einerseits gibt es auch lesbische und schwule Paare und andererseits gibt es in der Sexualität viele Dinge, die irgendwann zum ersten Mal erlebt werden. Also gibt es am Anfang einer Beziehung eigentlich ganz viele erste Male: das erste Date, der erste Kuss, usw.

Beim Geschlechtsverkehr werden dann verschiedene Sexualpraktiken unterschieden: Vaginalsex, Oralsex und Analsex. Oralsex bedeutet, dass Vulva oder Penis mit Mund und Zunge liebkost werden – viele nennen das Lecken oder Blasen. Wenn ein Finger oder Penis in den Anus/After (also das Poloch) kommt, dann wird das Analsex genannt.

Also können Menschen selbst bestimmen, was für sie “das eine” erste Mal ist, denn da gibt es viele unterschiedliche Meinungen.

Das erste Mal ist ein Anfang. Wie alles im Leben braucht auch Sex ein bisschen Übung und die meisten Paare finden, dass der Sex im Lauf der Zeit schöner wird, weil sie sich immer mehr entspannen und besser genießen können. An das erste Mal erinnern wir uns vor allem deshalb, weil es etwas Neues war.

Zahlen zum ersten Mal

In Deutschland werden alle paar Jahre viele junge Menschen nach ihren sexuellen Erfahrungen befragt. Das passiert anonym und Jugendliche aus ganz Deutschland werden zufällig ausgesucht. Das Ergebnis ist seit vielen Jahren immer ungefähr gleich: Ca. 8% der 14-Jährigen hatten schon mindestens ein Mal Sex, bei den 16-Jährigen ist es nicht ganz die Hälfte. Bei den 18-Jährigen haben zwar schon knapp 75% Erfahrung mit  Geschlechtsverkehr, das bedeutet aber auch, dass 25% ihr erstes Mal noch nicht hatten. Wir gehen davon aus, dass die Zahlen in Österreich ganz ähnlich sind. In Österreich ist es zwar allen 14-Jährigen gesetzlich erlaubt, Sex zu haben, jedoch haben viele Mädchen und Burschen in diesem Altern noch nicht einmal jemanden geküsst.

Was ist Konsens?

​Konsens in der Sexualität bedeutet einvernehmlicher Sex. Alles was gemacht wird, muss zu jedem Zeitpunkt freiwillig und von beiden gewollt sein. Nur weil eine Person nicht “Nein” oder “Stopp” sagt, heißt das nicht, dass sie ihren Konsens gibt. Menschen können auch zu betrunken sein (oder andere Drogen genommen haben), um ihre Zustimmung geben zu können. Daher gilt, wenn man unsicher ist: Lieber fragen, ob alles in Ordnung ist oder ob der anderen Person gefällt, was gerade gemacht wird. 

In diesem Video wird Konsens auch gut erklärt.

Wann ist jemand bereit für Sex?

Diese Bereitschaft spielt sich auf mehreren Ebenen ab: im Kopf, im Bauch und bei den Geschlechtsteilen.

Der Kopf ist für das Nachdenken zuständig. Typische Gedanken und Sorgen könnten sein: Wie verhalte ich mich richtig? Erzählt es die andere Person dann eh nicht herum? Soll ich schon Sex haben? Was sind die Regeln in meiner Familie oder meinem Freundeskreis? Wie lange möchte ich mit jemandem zusammen sein, bevor ich Sex habe?

Im Bauch geht es um die Gefühle. Verliebtsein und Liebe, Vertrauen und Geborgenheit. Auch der Wunsch nach Nähe und Zärtlichkeit gehört dazu. Wenn im Bauch ein wohliges und aufgeregtes Kribbeln zu spüren ist und kein flaues Gefühl (Angst), dann ist das ein gutes Zeichen.

Auf der körperlichen Ebene geht es vor allem um die Geschlechtsorgane. Natürlich braucht es körperliche Lust und körperliche Bereitschaft für Sex. Das ist die Erregung. Dabei werden die Genitalien gut durchblutet und ihre Form verändert sich. Dadurch werden sie noch empfindlicher. Der Penis wird steif und stellt sich auf, weil sich die Schwellkörper mit Blut füllen. Die Schwellkörper der Klitoris füllen sich ebenfalls mit Blut und die Vulvalippen  (Venuslippen) werden größer. Das sind die Voraussetzungen, damit sich Berührungen besonders toll anfühlen und Penetration (z.B. Einführen des Penis in die Scheide) überhaupt möglich wird. Hier gibt es noch viele Infos rund um den Körper.

Viele Paare nähern sich dem ersten Geschlechtsverkehr in vielen kleinen Schritten an. Das heißt, es passiert nicht alles auf einmal, sondern jedes Mal ein bisschen mehr, bis der Schritt zum ersten Mal dann nur mehr ein kleiner ist. Verliebte Paare verbringen am Anfang also ganz viel Zeit mit Rummachen, Knutschen und Kuscheln. Manche wollen länger warten bis zum ersten Mal, bei anderen geht es schneller. Manche Menschen wollen heiraten, bevor sie zum ersten Mal Sex haben. Alles ist okay, solange es sich für beide gut anfühlt. Wenn eine Person schon will und die andere noch nicht, dann heißt es eben noch warten. Der anderen Person Druck zu machen, ist jedenfalls gar nicht gut.

Verhütung beim ersten Mal

Verhütung braucht Vorbereitung: Die Pille muss verschrieben werden und auch Kondome müssen vorher in einem Geschäft gekauft werden.

Das Kondom bietet sich für erste Male super an, da es am leichtesten zu bekommen ist und völlig spontan verwendet werden kann. Trotzdem sollte das Kondom schon vor dem ersten Mal ausprobiert und damit geübt werden: Burschen können es an sich selbst ausprobieren und so schon vor dem ersten Sex Kondom-Profis  werden (mit dem Kondomguide kannst du die eigene Kondomgröße herausfinden). Ein Kondom muss rechtzeitig übergezogen werden, also am besten schon beim Schmusen, sobald die Unterhose ausgezogen ist. Aber nur weil es übergezogen ist, heißt das nicht automatisch, dass es zum  Geschlechtsverkehr kommen muss! Es kann auch als reine Vorsichtsmaßnahme übergezogen werden. Mehr Infos zur Verhütung

Wie läuft es ab?

Erste Male werden meistens in einer Stellung passieren, wo beide sich in die Augen schauen können und sich küssen können. Je nachdem wer oben bzw. unten ist, heißt das dann Reiter*innenstellung oder Missionarsstellung. Es ist aber gar nicht wichtig Namen von Stellungen zu kennen. Es soll bequem sein und sich für beide angenehm anfühlen. Meistens ergibt sich das beim Knutschen und Kuscheln ganz von selber. 

Angefangen wird immer vorsichtig, behutsam und langsam. Das ist beim Sex nicht anders als beim Küssen. Dann lässt sich sehr gut spüren, wenn etwas nicht mehr angenehm ist. Es kann verändert oder wieder ein Schritt zurück gemacht werden.

Nervös zu sein gehört bei ersten Malen einfach dazu. Auch möchte man alles richtig machen. Das kann ganz schön viel Stress erzeugen und der Körper kann auf diese Aufregung unterschiedlich reagieren. Bei Burschen kann es passieren, dass der Penis nicht richtig steif wird. Bei Mädchen kann es vorkommen, dass die Vagina nicht feucht und entspannt genug ist, damit sie einen Penis aufnehmen kann. Das alles ist normal und viele Menschen brauchen ein paar Anläufe, bis es mit dem ersten Geschlechtsverkehr klappt.

Orgasmus?

​Viele Menschen erleben beim ersten Mal keinen Orgasmus. Bei vielen Burschen kommt zwar Sperma aus dem Penis, aber weil das oft viel schneller passiert, als sie möchten, können sie das nicht genießen. Es ist übrigens ganz normal, dass es eine Sache von Sekunden ist bis zum Spermienerguss. Das muss aber nicht bedeuten, dass der Sex dann zu Ende ist. Auch mit schlaffem Penis lassen sich viele schöne Dinge machen und bei jungen Männern dauert es meist gar nicht lange bis der Penis wieder steif werden kann.

Die allermeisten Mädchen haben beim ersten Vaginalsex keinen Orgasmus. Das ist ganz normal. Für einen Orgasmus beim gemeinsamen Sex braucht es viel Entspannung, Vertrauen und  ein bisschen Übung gehört auch dazu. Guter Sex braucht nicht automatisch einen Orgasmus. 

Sex ist vor allem deswegen schön, weil man sich nahe ist und den ganzen Körper des anderen mit dem eigenen Körper spürt. Klar, ein Orgasmus kann beim Sex dann nochmal besonders schön sein, aber viele Paare brauchen ein bisschen Zeit, um sich so gut kennenzulernen und fallenlassen zu können, dass es mit dem Orgasmus klappt.

Die Sache mit dem Blut

In einigen Kulturen spielt es eine große Rolle, dass junge Frauen beim ersten Geschlechtsverkehr bluten. Früher wurde geglaubt, Blut beim ersten Vaginalsex bedeutet, dass die Frau noch Jungfrau ist. Daher wurde das Scheidenhäutchen (Hymen) oft „Jungfernhäutchen“ genannt. Heute wissen wir, dass das so nicht stimmt! Die meisten Mädchen bluten beim ersten Vaginalverkehr nicht. Das Scheidenhäutchen ist bei jedem Mädchen anders beschaffen und unterschiedlich dehnbar. Sollte es beim ersten Geschlechtsverkehr einreißen, ist die Blutung gering und das Einreißen kaum schmerzhaft. Beim Sport kann das Scheidenhäutchen nicht einreißen, da es weich ist und sich den Körperbewegungen anpasst. Wenn ein Mädchen also beim ersten Mal nicht blutet, bedeutet das nicht automatisch, dass sie vorher schon mit jemandem Sex hatte. Auch Ärzt*innen können durch eine Untersuchung nicht feststellen, ob ein Mädchen bereits Geschlechtsverkehr hatte.

Mehr Infos über das Scheidenhäutchen